2500 Besucher erleben Industrie-Messe am Arnstädter Solarhaus

Unternehmen aus der Region präsentieren sich und suchen nach Fachkräften. Gewinner des Schülerwettbewerbes ausgezeichnet

„Guck mal, ist das nicht der Ramelow?“ „Na klar, das ist er!“ Nicht wenige Besucher der alle zwei Jahre stattfindenden Messe „Industrie erleben“ am Solarhaus an der Ichtershäuser Straße in Arnstadt nutzten die Gelegenheit für ein Selfie mit dem Regierungschef, der jeden Wunsch erfüllte.


„Für die Region ist das ein sehr wichtiger Tag, es ist einer der Höhepunkte neben der Berufsinformationsmesse und dem Arnstädter Wirtschaftsfrühling, die wir hier veranstalten“, so Martina Lang (SPD), die Chefin der Arnstädter Agentur für Arbeit, die auch Bürgermeister Frank Spilling (parteilos) vertrat. Eine solche Messe sei kein
Selbstläufer, sie komme nur zustande, weil alle in der Region zusammenarbeiteten.
„Für die Stadt ist das ein besonderer Gewinn, weil jeder, der hier vielleicht Arbeit findet vielleicht ein Einwohner Arnstadts wird“, sagte Lang.


„Wenn am Erfurter Kreuz was los ist, wenn in einer Region, in der mittlerweile 14.000 Menschen Lohn und Brot haben, gefeiert und auch noch gezeigt wird, was man zu bieten hat – nämlich Industrie in ihrer besten Form, dann ist das der genau der richtige Ort“, meinte Bodo Ramelow (Die Linke).

 

Technikbegeisterter Nachwuchs

Viele würden gar nicht wissen, wie viel Industrieproduktion hier ansässig sei, sagte Ramelow: „Wir sind nicht nur das grüne Herz Deutschlands, sondern auch ein großer Industrieplayer“. Er spannte damit den Bogen zu vielen Ausstellern – beispielsweise der Arnstädter Verzahnungstechnik GmbH, einer Firma, die Zahnräder, Wellen, Ritzel, Baugruppen, Kettenräder herstellt und ein Spezialist in den Technologiestufen Drehen, Fräsen, Verzahnen, Schleifen
und Messen ist.


Vertriebsleiterin und Prokuristin Isabella Fabig sagte, dass es für eine solch kleine Firma wie die ihre mit etwas über 30 Mitarbeitern enorm wichtig sei, auf solchen Messen vertreten zu sein, da man nicht die Möglichkeiten wie große Unternehmen hat, Fachkräfte zu werben. Sie sucht CNC-Fräser und -Dreher.
„Bei der Führung durch unsere Firma und hier gab es interessante Gespräche, vielleicht entwickelt sich daraus ja etwas.“


Alexander Götz ist Standortchef von „Vivisol“ in Arnstadt, die über 180.000 Patienten mit medizintechnischen Hilfsmitteln im häuslichen Bereich versorgt. Das Unternehmen ist von Plaue und Thörey ans Lützer Feld umgezogen und war das erste Mal mit dabei. „Die Führungen durch unsere Firma war schnell ausgebucht, es gab viele tolle Gespräche“, sagte er gegenüber unserer Zeitung. Der Umzug habe sich für die Firma, aber auch für die gut 120 Mitarbeiter gelohnt, „die Wahrnehmung unseres Unternehmens hier am Erfurter Kreuz ist eine ganz andere und eine viel bessere.“


Auch Uwe Scheffler von der Computer System GmbH in Ilmenau betonte, dass es für die Firmen der Region wichtig sei, sich hier zu präsentieren.


Ramelow zeichnete dann gemeinsam mit Ullrich Geidel, dem Chef von „N3“ am Erfurter Kreuz, die Sieger des diesjährigen Schülermodellbauwettbewerbes „Klimaschutz durch 3DSolarstrom-Pkw“ aus, der vom Solardorf Kettmanshausen organisiert wurde: Konstantin Landefeld von der Grundschule Holzhausen errang einen ersten,
Tim Erik Müller von der SchollRegelschule Ilmenau einen zweiten Platz. Max Jacob (Hertz-Regelschule Ilmenau) kam hier auf den dritten Platz.


Auch Tom Stephan von der Gemeinschaftsschule Stadtilm konnte sich über einen ersten Platz freuen. Damit war der IlmKreis überdurchschnittlich gut bei den Preisträgern vertreten, denn am Wettbewerb nahmen fast 200 Schüler von 21 Grundund Regelschulen aus ganz Thüringen teil.


„Für uns wäre es natürlich das Beste, wenn die jungen Leute weiter aktiv bleiben und vielleicht sogar sich auch beruflich in diese Richtung orientieren – vorzugsweise hier am Erfurter Kreuz“, sagte Franz-Josef Willems, der Chef der Initiative Erfurter Kreuz. Geidel wiederum betonte, wie wichtig es sei, dass sich vor allem Kinder und Jugendliche für Technik begeistern, „um später die Welt zu verändern – zum Besseren.“


Immer wieder war auf der Messe zu hören, dass man dringend Fachkräfte und eben auch Nachwuchs braucht, der technikbegeistert sei, der auch mal um die Ecke denke. Ein Lob bekam da das Solardorf Kettmanshausen von Ramelow – nicht nur als Ausrichter des Schülerwettbewerbes, sondern wegen seiner alltäglichen Arbeit mit der Jugend und an den Schulen.


Richtig stolz dürfte die Grundschülerin Rita Grimmer aus Jena sein, auch sie gewann einen ersten Preis, wurde dafür aber nicht nur für ihr Modell gelobt, sondern auch für ihren Geschäftssinn. Sie hat auch daran gedacht, Geld zu verdienen. Sie hat ein solarbetriebenes Geländeauto gebaut. „Das ist Zukunft, das ist Unternehmergeist, den wir brauchen, das ist toll“, fand Ramelow.


Etwas mehr als 2500 Besucher zählte man bis zum späten Abend am Solarhaus und in den jeweiligen Firmen, in denen es Führungen gab. Damit war Willems bei der fünften Auflage der Messe mehr als nur zufrieden.
Gleichzeitig feierte man dann noch den zehnten Geburtstag der Initiative Erfurter Kreuz – auch ein Grund zum Freuen.

(Quelle: Thüringer Allgemeine, 27.05.2019)